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Freier Wille, was soll das?

July 15, 2017

Pragmatische Aspekte zum freien Willen für Unternehmer und Führungskräfte und die, die es werden wollen.

Die Frage nach dem freien Willen ist etwas, mit dem sich die Philosophie zum Teil in unverständlicher, theoretischer Weise beschäftigt. Das bedeutet aber nicht, dass die Frage für Unternehmer, Führungskräfte und die, die es werden wollen, irrelevant ist.

Warum das Thema von pragmatischer Relevanz ist, wird deutlich, wenn man hinter den Begriff des freien Willens schaut. Die dahinterstehende Frage ist: Wie verhalten wir uns? Oder genauer: Wodurch wird unser Verhalten bestimmt?

 

Wenn wir keinen freien Willen haben, also unser Verhalten vorbestimmt ist, dann agieren wir nur unter der Illusion autonom und frei entscheiden zu können. Wenn unser Verhalten vorbestimmt ist, dann brauchen wir die Willensbildungsprozesse vor einer Entscheidung nur um die Illusion des freien Willens aufrecht zu erhalten. Man kann dann auch sagen: Eine Entscheidung zu durchdenken bringt dann eigentlich nichts. Aber was bestimmt dann unser Verhalten? Wenn das Verhalten von Mitarbeitern vorbestimmt ist, warum dann überhaupt führen? Wenn Konsumentenverhalten vorbestimmt ist, warum dann Marketing?

 

Die Relevanz des freien Willens?

Diese, Philosophen und Theologen wie auch Ökonomen und Psychologen gleichermaßen in ihren Bann ziehende Frage ist natürlich nicht trivial zu beantworten. Und schon über die Definition lässt sich vortrefflich und lange streiten.

 

Nach einer populären, aber ebenfalls umstrittenen Definition ist der freie Wille die Fähigkeit einer Person eine Entscheidung zu treffen ohne dazu gezwungen worden sein. Gezwungen werden kann man dabei auch die Rahmenbedingungen. Dabei müsste es der Person auch möglich gewesen sein, sich anders zu entscheiden.

 

Dabei sind vor allem die daraus entstehenden moralischen Konsequenzen zentral. Wenn ich mich also für ein Verhalten entschieden habe, obwohl ich mich anders hätte entscheiden können, dann bin ich auch verantwortlich für die Konsequenzen der Handlung.

 

Das ist eine Position auf der auch der Schuldbegriff unseres juristischen Systems basiert. Unzurechnungsfähig, und damit Schuldunfähigkeit, ist man, wenn man beispielsweise unter einer psychischen Erkrankung leidet, könnte man sein eigenes Verhalten nicht mehr bewerten oder steuern. In dem Sinne - und an vielen anderen Stellen - ist in unserer Kultur implizit an vielen Stellen die Grundannahme präsent, dass es einen freien Willen gibt aus der moralischen Verantwortung für unser Verhalten abgeleitet werden kann.

 

Es gibt keinen freien Willen.

Laut den Erkenntnissen der Neurowissenschaften gibt es aber kein Platz für einen freien Willen: aus Perspektive dieser Forschungsrichtung folgt das Gehirn einer gewissen Logik, ob wir das wollen oder nicht.

 

Unser Verhalten folgt danach Notwendigkeiten komplexer biologischer Prozesse. Umweltreize werden auf differenzierte und nur schwer durchschaubare Weise verarbeitet und innerhalb des Gehirns entsteht eine Entscheidung für ein bestimmtes Verhalten.

Dabei hat ein mittlerweile berühmt gewordenes Experiment von Benjamin Libet aus dem Jahr 1983 die Diskussion um den freien Willen massiv angefeuert. Seit dem gab es dutzende ähnliche Versuche und alle zeigen das gleiche: Mittels verschiedener neurowissenschaftlicher Untersuchungsverfahren - vom EEG bis zum Gehirnscanner fMRT - gelingt es immer wieder festzustellen, wie sich ein Proband entscheiden wird und zwar zeitlich deutlich bevor dieser sich selbst darüber bewusst ist.

Die Interpretation besagt, dass erst unser Gehirn aufgrund der Logik der Neuronen Organisation und Aktivierung die Entscheidung trifft und uns diese dann bewusst wird. Trotzdem fühlt es sich so an, als hätten wir bewusst und frei entschieden.

 

Weitere Untersuchungen verschiedener Couleur schlagen in dieselbe Kerbe. So hat man bei einer Vielzahl von Gewaltstraftätern nachgewiesen, dass Menschen die Aggressiv gegen anderen vorgehen, ängstliche und aggressive Gesichtsausdrücken systematisch verwechseln. Die ihnen Entgegenkommen ängstliche Person wird also als entgegenkommende aggressive Person interpretiert und es kommt vermehrt zu Gewaltausbrüchen. Sind die Täter also auch nur Opfer, die nichts für ihr Verhalten können?

Und in der Tat gibt es renommierte Neurowissenschaftler, die für eine Anpassung des Schuldbegriffs plädieren. Aber ist es wirklich so einfach?

 

Oder gibt es ihn doch?

Nein, sagen wiederum andere - so einfach sei es nicht. Die Zeitspanne zwischen dem Spüren eines aus dem Gehirn entstehenden Handlungsdrangs und dem Ausführen der entsprechenden Handlung sei groß genug, sodass wir die Handbremse ziehen können.

Die Handbremse des Gehirns ist eine Region die in beiden Hirnhäuten jeweils etwa unter der Schläfe liegt und auf den Namen ventrolateraler Präfrontaler Cortex, kurz vlPDC, hört. Dieser Region wird unter anderem die Fähigkeit zugeschrieben in dem Gehirn entstehende Handlungsimpulse zu unterdrücken und somit für diszipliniertes Handeln zu sorgen.

 

Entsprechend der Duktus: Wir haben zwar keinen freien Willen - die Handlungsimpulse entstehen einfach. Aber wir haben eine freie Handlungsimpulshemmung, bei der wir die Ausführung der entsprechenden Handlung unterdrücken können. Englisch handelt es sich dann nicht mehr um einen ‚free will‘ sondern einen ‚free won’t‘. Damit wäre freien Willen durch die Hintertür wieder da - denn wir können uns bewusst gegen unbewusste Handlungsimpulse wehren.

 

Wobei auch die Kritiker wiederum einen relevanten Einwand haben: Das Bewusstsein ist, so eine verbreitete Theorie, auch nur ein Ergebnis neuronaler Aktivierung. Und damit ist auch das Bewusstsein, dass die Handbremse bedient, nicht frei. Denn der bewusste Akt einen unbewusst entstandenen Handlungsimpuls durch das Ziehen der Handbremse zu unterdrücken ist auch nur ein vorbestimmtes Produkt neuronaler Aktivität.

Damit haben wir nur ein differenziertes Bild, sind aber kein Stück näher an einer Antwort zum freien Willen.

 

Was denn nun? Eine pragmatische Lösung

Unternehmer und Führungskräfte brauchen pragmatische Lösungen, philosophische und wissenschaftstheoretische Debatten wir die oben angedeutete eignen sich gut für einen Abend bei einem guten Glas Wein. Eine Orientierung für unser praktisches Handeln fehlt. Was kann nun jemand mit Führungsverantwortung mit dieser Diskussion anfangen?

 

Es ist zentral, eine gewisse Kompetenz bezüglich der Frage zu haben, warum sich Menschen so verhalten, wie sie es tun. Von Führung bis hin zum Marketing geht es immer darum wie sich Menschen verhalten und welchen Einfluss wir darauf haben können.

 

Betrachten wir die Frage des freien Willens und der Flexibilität des Verhaltens pragmatisch, zeigt die Wissenschaft insbesondere drei Handlungsfelder auf.

 

Handlungsfeld 1:
Logiken und Faktoren für Verhalten verstehen.

Vieles Verhaltens entsteht auf Basis von Gewohnheiten. Und auch unser Denken und Überlegen folgt mittlerweile gut untersuchten Logiken. Diese Muster sind zum Beispiel typischen Mentale Abkürzungen, die wir - wenn es mal schief geht - Denkfehler nennen. Diese reichen von Vorurteilen bis hin zu der Idee, dass teurere Produkte besser sind als günstigere.

 

Nehmen wir an, Sie sind im Ausland. Im Restaurant gibt es drei Weine zu Auswahl, einen für 2 Euro, einen für 4 Euro und einen für 6 Euro das Glas. Alles sind Weißweine ihrer Lieblingstraube, sonst haben Sie keine weiteren Informationen. Wir unterstellen, dass sie sonst keine weitere Information haben und auch keine Budgetrestriktion. Welchen nehmen Sie?

 

Die meisten entschieden sich für den mittleren Wein, der erste ist zu billig (unbewusste Logik: Billiger entspricht schlechter), der teurere muss es ja auch nicht sein (unbewusste Logik: teurer ist zwar besser, aber bewusster Umgang mit Geld ist auch wichtig). Die goldene Mitte also, ein guter Kompromiss.

 

Ein Jahr später, im gleichen Restaurant, sie entdecken einen neuen Wein - wiederum gleiche Sorte, diesmal aber für 10 Euro das Glas. Für welchen der vier Weine entscheiden Sie sich nun? Die meisten nehmen nun den für 6 Euro, denn: Der teuerste muss es ja nicht sein, gerade wenn der so viel teurer ist - fast doppelt so teuer (unbewusste Logik: doppelt so teuer wie die bekannte beste Option ist unangemessen). Die Präsenz der teureren Option setzt aber auch die anderen neu ins Verhältnis. 6 Euro wirken günstig im Vergleich zu 10 - wirkten aber vorher teuer im Vergleich zu 2 und 4.

 

Diese Logiken können Unternehmer und Führungskräfte aktiv nutzen, sofern sie diese kennen. Ich beriet einen der weltweit größten Versicherungskonzerne in der Frage, wie viele Angebote einer Versicherung auf einer Webseite optimal wären. Sollen alle 9 Tarifvarianten präsentiert werden? Oder nur drei? Wie bekommt man es hin, dass die meisten Käufe auf die Versicherung mit der höchsten Marge fallen? Diese Fragen systematisch zu beleuchten, die auf der Basis entwickelte Idee zu probieren und auf Basis der konkreten Ergebnisse konstant zu optimieren kann Umsatz und Erträge drastisch steigern – ein riesiges Potential.

Sich darüber bewusst zu sein, dass wir in ganz vielen Bereichen in unserem Entscheiden und Verhalten bestimmten Logiken folgen ist genauso auch eine wichtige Grundlage für das nächste Handlungsfeld.

 

Handlungsfeld 2:
Gut mit der Handbremse umgehen.

Sind wir uns darüber bewusst, dass wir gerade nur einer Logik folgen, dann ist das der erste Schritt um die Handbremse nutzen zu können.

 

Um zu bremsen müssen wir zuerst bewusst wahrnehmen, dass wir einer unbewussten Logik folgen, also gerade geneigt sind den Wein von 6 Euro zu kaufen - obwohl der für 2 Euro oder den für 4 Euro auch genauso wunderbar schmecken kann. Mit diesem Bewusstsein können wir darum bitten die beiden günstigeren Weine probieren zu dürfen.

 

Sind wir Achtsam genug und nehmen die Impulse wahr, können wir uns disziplinieren uns besser zu entscheiden und verhalten. Unbewusste Logiken wirken von der Entscheidung beim Essen über die Entscheidung für oder gegen Organspende bis hin zu großen Investitionsentscheidungen.

 

Das Nutzen der Handbremse, also das Ausüben von Disziplin und Willenskraft, können Sie lernen und trainieren. Aktuelle Forschung deutet an, dass Willenskraft und Disziplin, zurückzuführen auf die Nutzung des vlPFC als Handbremsen-System, wie Muskelkraft trainierbar sind. Wir sehen permanent in unserer Beratungs- und Coachingpraxis deutlich, wie gut wir besser im Ausüben unserer Willenskraft werden können.

 

Sie könnten also durch Training nicht nur Ihre, sondern auch die Disziplin der Mitarbeiter steigern und berechtigterweise durch Kenntnis der unbewussten Entscheidungslogiken (Handlungsfeld 1) im ganzen Unternehmen Denkfehler vermeiden und so auf bessere Entscheidungen hoffen.

 

Handlungsfeld 3:
An den freien Willen glauben!

Trotz aller Kontroversen rund um den freien Willen, ist dringend zu empfehlen, dass die an einen freien Willen glauben. Eine Vielzahl von Studien und Theorien weist darauf hin, dass es dafür gute Gründe gibt.

 

Eine Studie zeigte, dass Menschen, die an einen freien Willen glauben, Ihren Partner weniger betrügen, eine andere zeigt, dass Menschen, die nicht an den freien Willen glauben, sich tendenziell aggressiver Verhalten und seltener hilfsbereites Verhalten zeigen.

Auch die populäre Mindset-Theorie von der renommierten Psychologie Carol Dweck unterscheidet zwei innere Haltungen. Es gibt diejenigen mit einem ‚fixed mindset’ oder auf Deutsch statischem Selbstbild und die mit einem ‚growth mindset‘ oder dynamischem Selbstbild.

 

Menschen mit einem ‚fixed Mindset’ glauben daran, dass alle Leistungen und Erfolge auf stabilen Grundvoraussetzungen wie Intelligenz und Begabung basieren. Diejenigen, bei denen man ein ‚Growth Mindset‘ messen kann hingegen gehen davon aus, dass sie sich entwickeln und lernen können sowie durch Fleiß und Mühe etwas erreichen können, selbst wenn sie nicht begabt sind.

 

Menschen bei denen ein dynamisches Selbstbild gemessen wurde, sind überdurchschnittlich erfolgreicher, resilienter, lernen besser und haben bessere Selbstwahrnehmung und höheres Selbstvertrauen. Nicht umsonst hat es diese Idee geschafft das erste und wichtigste von Jack Canfields 64 bewährten Erfolgsprinzipien zu werden.

 

Tun wir so, als gäbe es ihn.

Unternehmer und Führungskräfte, sowie auch alle anderen, tun also gut daran, einfach an den freien Willen zu glauben. Die positiven Konsequenzen überwiegen, und auch wenn die Wissenschaft – wenn auch die Wissenschaft durchaus in Richtung des Nicht-Freien Willen zeigt: Die positiven Konsequenzen des Glaubens sind so überragend, wieso also nicht einfach an den freien Willen glauben?

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